@mspro
Genau. Sars1 hat er entdeckt. Als Biochemiker hat er das gekonnt. Er war mal Fachmann für Labormethoden. Das war 2003. Und hat da seine Verdienste gehabt. Aber: er macht da schon lange keine Forschung mehr. Er ist inzwischen, als "Professor", ein Instituts-Manager. Und er war (ist vielleicht noch), Geschäftsführer der privatwirtschaftlichen Labor-Firma der Charité. Die in ihrer Gesamtheit die Rechtsform einer Stiftung hat, was allerdings nichts besagt.
Die Diskussion um die generelle Aussagekraft von PCR-Tests können wir auslassen, es ist allerdings belegt, dass die vorhandenen Tests damals oft unsachgemäß verwendet wurden, was viel false-positive erzeugt hat.
Ganz unabhängig von der Testmethode bei der Auswertung von Proben ist aber der entscheidende Punkt die Probennahme selbst. Sicherlich kann man 100%-Kontrollen machen. Dann hat man ein gewisses Maß an Zuverlässigkeit. Vorausgesetzt, diese werden in einem kurzen Zeitrahmen genommen, denn die zu prüfende Eigenschaft (Virus vorhanden?) ändert sich ja mit der Zeit.
Man hat allerdings keine 100%-Kontrollen vorgenommen, sondern Stichproben gezogen. Und, ja, genau da ist es eine Frage der Wissenschaftlichkeit, wie man Stichproben zieht, damit man Aussagen über die Grundgesamtheit ziehen kann.
Christian Drosten hat das Problem der Stichprobenauswahl nie erwähnt, und, das ist auch klar, er hat keine Ahnung davon. Das ist nicht seine Baustelle. Die ist es eben, Proben zu beurteilen. Daraus kann man überhaupt _keine_ Aussagen über die Verteilung der spezifischen Eigenschaft in der Grundgesamtheit ziehen.
Das weiß er nicht. Davon redet er nicht. Aber sonnt sich im Glanz des Ruhmes seiner Heldentaten im Labor.
Was nun Ahnung betrifft: ich komme aus der empirischen Soziologie. Also einem Zweig, der sich massiv mit der Frage der Aussagekraft von Stichproben machen muss. Heimspiel!
Die Epidemiologie muss sich als Sozialwissenschaft begreifen, weil sie sich auf Menschen in (großen) Gruppen bezieht. Das ist aber bei fast allen "Epidemiologen" nicht der Fall, weil sie sich als Hilfswissenschaftler für Kaufleute betätigen. Es gibt da Leute (wie Lauterbach), die können dir genau sagen, wieviel Packungen eines Medikaments mehr verkauft werden, wenn man den Grenzwert eines Indikator um zwei Hundertstel absenkt. Das ist die marktübliche Epidemiologie.
Über die Verbreitung eines Virus in einer Bevölkerung wissen sie nichts, und können auch keine Aussagen treffen.
Hendrik Streeck war einer der wenigen weltweit, die dazu überhaupt eine Studie gemacht haben.