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  • Nov 3, 2026, 9:10 AM

    Es gibt einen Unterschied zwischen Marktwirtschaft und Kapitalismus.

    Das Erste ist eine Struktur, in der Märkte, Preise, Angebot und Nachfrage die Wirtschaft bestimmen und regulieren, möglicherweise mit steuernden Eingriffen und sozialer Abmilderung von Härten durch die Politik.

    Das Zweite ist eine Struktur, in der Kapitel und Kapitelrenditen, Erträge ohne eigene Arbeit, die Wirtschaft und die Politik formen.

    Beide Begriffe werden oft austauschbar gebraucht, aber sie sind es nicht.

    Wir beobachten in Deutschland eine Wirtschaftsbranche im Würgegriff des Kapitalismus, der genau die Marktwirtschaft und ihre steuernden Effekte verhindert und sich dabei bei der Politik auch noch um Subventionen in Form von Abwrackprämien und Tankrabatten bewirbt, on top of die ganzen Subventionen, die dieses Kapital sowieso schon bekommt durch kostenlosen Straßenbau, Dienstwagenregelung und dergleichen mehr.

    Es sind diese kapitalistischen, nicht-marktwirtschaftlichen Strukturen, die die deutsche Automobilindustrie zum Tode verurteilen – das Kapital wird dabei am Ende das tun, was es immer macht und den Kadaver verlassen, um anderswo zu plündern.

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  • Nov 3, 2026, 9:36 AM

    Aber eigentlich wollte ich ganz woanders hin:

    Es ist meist ein Fehler, eine neue Technologie auf der Basis ihrer ersten Erscheinungsformen zu beurteilen. Diese sind fast immer räuberisch, wenig energieffizient und noch dazu qualitativ schlecht.

    Ich habe dazu und zum en.wikipedia.org/wiki/Cynefin_ und den Zusammenhang mit CMMI an anderer Stelle schon geschrieben:

    Eine neue Technologie – nehmen wir mal LLMs – ist am Anfang echt schlecht. Bei LLMs bekommen wir unerwartete und unbrauchbare Resultate, die wir "Halluzinationen" falsch-benennen. Wir haben fantastische Energieaufwände und wir haben unrealistische Ertragserwartungungen.

    LLMs brauchen unglaubliche Energiemengen und Rechenaufwände, um trainiert zu werden, und niemand weiß, wieviel Rechenaufwand wir an welcher Stelle brauchen werden, um die LLms dann für Inferenz zu nutzen. Niemand hat auch nur eine Idee, wie best practice bei LLMs aussehen kann.

    Das ist das, was im Cynefin Modell die Chaotic Domain ist. Wir probieren alle möglichen Dinge aus und gucken mal, was funktioniert. Dabei machen wir alles mögliche mit hoch qualifizierten und sehr gut bezahlten Forschern, die aber am Ende auch nur gut ausgebildet ... raten.

    Sobald es so etwas wie Practice gibt – Workflows, die funktionieren, Ergebnisse, die reproduzierbar sind, Strukturen, die erkenntbar sind und die stabil gegen Variation sind, geht es in die Complicated Domain. Das ist die Domain des Engineering, bei der Menschen Workflows ausprobieren, variieren, Effizienz vergleichen, nachjgelagerte Optimierungen und versteckte Zusammenhänge aufdecken und – ganz wichtig – versuchen, den Prozeß zu verbilligen, zu verschnellern und zu skalieren.

    Da sind wir seit dem Frühjahr diesen Jahres bei SWE, bei der Entwicklung von Software. Durch den Agentic Harness (Opencode, Pi, Codex, Claude Code) können wir zunehmend größere Softwareprojekte kontrolliert automatisiert und strukturell nachhaltig generieren lassen. Das ist weit entfernt von dem, was wir Slop-Code oder Vibe-Coding genannt haben.

    Wir können den Prozeß auch invertieren und existierende Software mit Computer Use Skills, Lesen von Handbüchern und anderen Prozessen automatisiert in eine Liste von Spezifikationen umnwandeln, die nur das WAS und nicht das WIE beinhalten, und mit diesen Spezifikationen die Software in ihrer Funktionalität aber nicht im Code reproduzieren. Das ist die Grundlage von Reverse Engineer Anything und den Artcraft Sachen zum Beispiel.

    Es ist noch nicht in der Complicated Domain und weit entfernt von Clear. Das heißt, uns fehlen noch quantitative Metriken, die etwas bedeuten und es gibt nochj einen Haufen Dinge, die in einem Operations Handbuch zu automatisierten Spec-zu-Code Prozessen fehlen.

    Das ist auch so, weil dieser Bereich noch sehr schnell wächst. Und solange das der Fall ist – etwa 10x in drei Jahren oder ähnlich – hast Du keine Vergleichbarkeit von Methoden zwischen den Zyklen und damit auch keine quantitativen Metriken die viel Aussagen. In schnell wachsenden Branchen kannst Du keine CMMI-Level 4 und 5 erreichen (die brauchen quantitative Metriken) und ohne CMMI Level 4 und 5 kann man Dinge auch nicht gut outsourcen – darum findet man in vielen schnell wachsenden Firmen einen Bias gegen Outsourcing.

    Das, irgendwo in Complicated, ist wo wir bei "AI" – LLMs und Agentic Harnesses und den Prozessen darum in etwa stehen, wenn es um SWE geht. In vielen anderen Bereichen ist es noch schwächer und teilweise noch in Chaotic.

    Das Wissen ist auch ungleich verteilt – viele Menschen nutzen "AI" noch ohne Prozeß oder improvisieren eigene Prozesse, weil es noch keine anerkannten Standards gibt.

    Und ohne anerkannte Standards gibt es noch keine anerkannte und standarisierte Lehre dazu.

    ===

    Wir finden das in Deutschland sehr oft.

    "Neu" und "links im Cynefin Model" ist etwas, mit dem Deutschland als kulturelle Maschine nicht gut zurecht kommt.

    Die überkommenen hierarchisch-patriarchalen Strukturen in inhabergeführten Unternehmen, die Art und Weise der Unterrichtsgestaltung in Schulen und die Organisation und Finanzierung von Forschung sind wenig geeignet, mit Dingen zu arbeiten, die noch nicht etabliert, fluid, und im Wachstum begriffen sind.

    Die Folge sind eine Serie von gescheiterten Leuchtturm-Projekten, Exzellenz-Initiativen und anderen Dingen, und eine Diskrepanz zwischen der Erwartung von Perfektion und fertigen Produkten und dem Prozeß der Wahrheitssuche, des Ausprobieres und Forschens, sich Irrens und Umdrehens, den die linke Seite des Cynefin-Modells erfordert.

    Das ist – nebem dem kapitalistischen Würgegriff – der andere Verhinderer des sogenannten Strukturwandels in der deutschen Wirtschaft. Wandeln müssen sich nicht die wirtschaftlchen Strukturen, sondern die kulturellen Strukturen, die derzeit im öffentlichen Diskurs eine Wahrnehmung von erfolgreichen Unterrnehmungen und damit ihre effektive Förderung und Bildung verhindern.

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  • Nov 3, 2026, 9:46 AM

    Werden LLMs weiter fantastische Mengen an Energie verbrauchen?

    Das TRAINING von LLMs verbraucht derzeit fantastische Mengen an Energie. Dieser Bedarf sinkt, und die Frequenz, mit der wir neue LLMs trainieren wird auch sinken.

    Tatsächlich sind die meisten Gewinne, die wir aktuell bei LLMs sehen, weniger in Verbesserungen bei den Modellen, sondern mehr bei Verbesserungen in den Agentic Harnesses und anderen Umfeldern zu sehen.

    Die Modelle sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, für die Mehrheit der Anwendungen bereits "gut genug". Defizite existieren im Packaging, also in der Integration, der Art, Qualität und Entdeckbarkeit von Information und bei der Hilfestellung zur Qualitätssicherung durch das, was wir mechanistic Quality Gates nennen (bei SWE also Typsysteme, Tests und andere Dinge). Defizite existieren auch im Prozess.

    All das ist normal für die linke Seite von Cynefin.

    INFERENZ, also die Nutzung von LLMs zur Generierung von irgendwas, braucht Energie, aber im Vergleich eher wenig.

    Ein Qwen3.8-27b auf meinem Macbook treibt den Stromverbrauch von bummelig 8 Watt auf bummelig 100 Watt hoch, und ein Turn dauert sagen wir 10-20 Sekunden. Ich kann das MBP 10 Stunden mit 100 Watt betreiben, und habe eine kWh verbraucht, also Strom für 32 Cent, wenn ich keine Solaranlage hätte.

    Energie für INFERENZ kommt vor allen Dingen durch das Wachstum von Inferenz zustande – wir haben hier etwas neues, und wir wissen noch nicht, wozu es gut ist, wie man es effizient einsetzt und jeder und sein Hund probieren damit rum.

    Wir haben auch eine doppelte Kapitalkrise – den absehbaren Wegfall von 3 Mrd USD GEWINN pro Tag aus Öl und den Zusammenbruch von Moore's Law in der IT, der auch für Dekaden stabile Rentiergewinne beschert haben.

    Die Menschen, die so ihr Geld verdienen, sind nicht dumm. Sie suchen verzweifelt neue Gebiete, in die sie investieren können und so bekamen wir alle 3 Jahre ein neue Testsau, die durch das Dorf getrieben wurde – Bitcoin und NFT, Metaverse und jetzt halt LLMs. Im Gegensatz zu Bitcoin und Metaverse sind die LLms ein Treffer, sie sind nicht und werden nicht nach 3 Jahren wieder weg gehen.

    Für viele Rentiers ist es ihrer Meinung nach die letzte Investition, die sie je machen werden, weil sie mehr oder weniger an den Maschinengott glauben. Darum sehen wir einen absurden Überinvest in eine Technologie, die objektiv zu unreif ist, um diese Menge an Kapital sinnvoll zu verarbeiten, und daher sehen wir diesen absurden RZ Ausbau, der am Ende mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seinen Invest nicht zurück verdienen können wird.

    Innovation zu managen ist hart, insbesondere wenn einen die Millairden jucken und man schweres FOMO hat.

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  • Nov 3, 2026, 9:52 AM

    Wir wissen, daß ein neurales Netz zu trainieren leicht ist, wenn man ein Budget von 2.4 kWh/Tag hat und man sich 20 Jahre Zeit gibt – jede Mutter eines Kindes bekommt das hin.

    Das sind 2.4 kWh * 365 * 20 = 17520.0 kWh oder 17.5 MWh an Kalorien plus was immer man anteilig an weiterer Energie in das Leben einer jungen Person gesteckt hat.

    Das ist nicht nichts, aber es ist vermutlich sehr viel weniger als das Training eines LLMs jetzt gerade verbraucht.

    Wir wissen also, daß es mit weniger Energie geht, und wir sehen gerade Fortschritte beim Training von LLMs, die beträchtlich sind.

    Auch bei Inferenz ist das so.

    Das äußert sich auch in sinkenden Token-Kosten, schnelleren LLMs, kleineren LLMs und LLMs, die auf einem Laptop mit 100 Watt statt auf einem Cluster mit 7000 Watt Dinge tun, die vor 18 Monaten nur auf dem Cluster möglich waren.

    Sobald der Release Zyklus von Modellen so langsam wird, daß es sich lohnt, Dinge in Hardware zu tun, ändert sich noch einmal alles. Wir haben schon Prototypen von Hardware-LLMs gesehen. Sie waren veraltet, als die Chips fertig waren, aber sie waren 100x schneller und haben 100x weniger Energie verbraucht als das, was wir mit der vorhandenen Hardware notgedrungen in Software machen.

    Auch das wird den Markt noch einmal grundlegend verändern – wer führt das Modell aus, wo läuft es, was kostet es, und wie kann es genutzt werden.

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  • Nov 3, 2026, 9:54 AM

    Das alles kontrolliert man aber nicht mit einer Politik ohne Strategie, die Trends hinterher läuft, nur mit festen und eingespielten Strukturen aus dem Clear-Sektor von Cynefin arbeiten kann und auch lokal keine Strukturen und Kompetenzen hat, die in dieser Gegend Expertise haben.

    Und darum sieht die deutsche und die europäische Industriepolitik so aus, wie sie aussieht.

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  • Nov 3, 2026, 9:37 AM

    Bereitgestellt von @altbot, privat und lokal generiert mit Gemma4:26b

    @isotopp Ein Diagramm mit dem Titel „Characteristics of the maturity levels“ zeigt fünf aufsteigende, farbige Boxen auf schwarzem Hintergrund. Die Boxen sind durch graue Pfeile miteinander verbunden, die jeweils von einer Stufe zur nächsten nach oben rechts zeigen. Die unterste rote Box enthält den Text „L „Level 1 Initial“. Darauf folgen eine orangefarbene Box mit „Level 2 Managed“, eine gelbe Box mit „Level 3 Defined“, eine hellrosa Box mit „Leve „Level 4 Quantitatively managed“ und eine grüne Box mit „Level 5 Optimizing“.
    ―
    Ein Diagramm, das durch zwei sich kreuzende, gebogene Linien in vier Quadranten unterteilt ist, wobei der zentrale Schnittpunkt mit „Confusion“ beschriftet ist. Der obere linke Quadrant trägt die Überschrift „Complex“ und enthält „Enabling constraints“, „Loosely coupled“, „probe-sense-respond „probe-sense-respond“ und „Emergent Practice“. Der obere rechte Quadrant trägt die Überschrift „Complicated“ und enthält „Governing constraints“, „T „Tightly coupled“, „sense-analyse-respond“ und „Good Practice“. Der untere linke Quadrant trägt die Überschrift „Chaotic“ und enthält „Lacking constraint“, „De-coupled“, „act-sense-respond“ und „Novel Practice“. Der untere rechte Quadrant trägt die Überschrift „Clear“ und enthält „Tightly constrained“, „No degrees of freedom“, „sense-categorise-respond“ und „Best „Best Practice“.

    🌱 Energieverbrauch: 1.443 Wh

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  • Nov 3, 2026, 12:17 PM

    @isotopp ich muss gestehen, dass ich nicht alle Details deines Post verstehe, aber es hilft mir in der Erklärung, warum wir so Schwierigkeiten haben, mit KI vorwärts zu kommen.

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  • Nov 3, 2026, 2:40 PM

    @isotopp

    Ich lese gerade Reclams Ländergeschichte der Niederlande und bin da gerade Mitte/Ende 18. Jhd.

    Bei der Lektüre heute habe ich mich sehr an Deutschland aktuell erinnert gefühlt.

    Aufgrund des vorangegangenen Goldenen Zeitalters gab es in den Niederlanden lange keinen Innovationsdruck.
    Zudem war die Gesellschafts- und Verwaltungsstruktur dem jetzigen deutschen Föderalismus in manchen Belangen nicht unähnlich.

    Die Rede war in Bezug auf Punkt eins auch von 'penalty of the pioneers'.

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  • Nov 3, 2026, 1:41 PM

    @isotopp

    "Kleinwagen, möglichst noch zu Preisen unter 20.000 Euro. Doch dahinter stehen Vorstellungen aus unerreichbaren Traumwelten"

    Lohnkosten inkl Managergehältern kosten 10-15% des umsatzes in D.
    auto-motor-und-sport.de/verkeh

    Das wären dann 23.000? Für den Preis seh ich kein Polo.

    Danke für den Artikel. Persönliches highlight:

    "Gegenüber ausländischen Kunden gilt es auch, den Nimbus der Autobahnen ohne Tempolimit zu erhalten. "

    *wieherndes Gelächter* was ein Spezialexperte.

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  • Nov 3, 2026, 5:28 PM

    @isotopp Tbf, der Kapitalismus nach Smith war eigentlich gedacht Erträge ohne eigene Arbeit ebenfalls zu verhindern... nur war das vor Smith primär ein Problem von Landlords und nicht von Personen die den weiter gefassten Begriff von "Means of Production" besitzen. Ein Kapitalist nach Smith ist ein Mensch der auch seine Kapitalerträge reinvestieren muss, und eben kein passives Einkommen durch "Rent" bekommt.

    Marx hat sich auf Smith bezogen und schlicht erkannt, dass in dem Industriezeitalter es nicht ausreicht Landlords abzuschaffen, sondern, dass man das ganze breiter fassen muss. Da selbst Kapitalisten die kein Grund besitzen, da sie durch ihre "Means of Production" genau die gleiche Rolle erfüllen wie Landlords. Und das sehen wir auch jetzt im Neofeudalismus: Es ist nicht mehr nur Land, es ist Compute-Power & Co.

    Was aber alles kein Widerspruch zu dem von dir gesagten sein soll ^^'

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