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  • KatjaAdminKatja1973@katja-diehl.de
    Jun 4, 2026, 12:57 PM

    Zu Gast beim ADFC: Hamburg stoppt das Töten.

    Die Wahlhamburgerin Katja Diehl setzt sich seit Jahren als Buchautorin, Rednerin, Podcast-Produzentin und
    Aktivistin für nachhaltige Mobilität, soziale Gerechtigkeit und Inklusion ein. Darum unterstützt auch sie die Petition „Hamburg stoppt das Töten“.
    Die RadCity hat mit ihr über die Beweggründe für ihr Engagement gesprochen

    RadCity: Was sind die drei Kernbotschaften der Petition „Hamburg stoppt das Töten“?

    Katja Diehl: Erstens: Es gibt kein Informations-, sondern lediglich ein Umsetzungsdefizit. Wir wissen seit Jahrzehnten, wie die Zahl schwerer Unfälle sich wirksam reduzieren lässt. Wir tun es nur nicht. Zweitens: Sterben im Straßenverkehr ist kein Schicksal, sondern die Folge politischer Entscheidungen: Jede nicht gebaute sichere Kreuzung, jeder Lkw ohne optimale Rundumsicht ist eine Entscheidung gegen Menschenleben. Und drittens: Hamburg hat über 1,2 Millionen Radfahrende – 50 Prozent mehr als zugelassene Autos –, und sie alle wollen sicher auf dem Rad unterwegs sein. Wenn die Politik dennoch ein Parkraummoratorium beschließt, das an vielen Stellen fahrradfreundliche Infrastruktur verhindert, hat sie die Prioritäten falsch gesetzt.

    „Hamburg stoppt das Töten“ ist hart formuliert.
    Was löst das bei dir aus?


    Erleichterung! Endlich wird ausgesprochen, was es ist. Wenn ein elfjähriges Kind mit einem Lkw getötet wird, dann ist das kein Unfall im Sinne von: ‚Konnte niemand wissen, kann man nicht verhindern‘. Es ist das Ergebnis einer Infrastruktur, die Menschenleben systematisch gefährdet – und einer Politik, die das hinnimmt, statt die Rahmenbedingungen wirksam zu ändern. Wir haben uns jahrelang an weiche Formulierungen gewöhnt: „Verkehrsunfall“, „Unglück“, „tragischer Vorfall“, „touchiert“, „erfasst“. Aber es sind Menschen, die dabei sterben.

    Und so lange wir das nicht klar benennen, werden wir es auch nicht ändern. Hinter jeder und jedem nüchtern vermeldeten Verkehrstoten stehen Familien und Freund*innen, die ein Trauma erleiden. Dass wir das in Deutschland acht Mal am Tag zulassen, erschüttert mich tief.


    Was forderst du vom Senat und der Bürgerschaft – und was wäre ein messbarer Erfolg?

    Ich fordere eine verbindliche Vision-Zero-Strategie mit ambitioniertem Zeitplan. Eine systematische Analyse aller schweren Unfälle der letzten Jahre und ein priorisiertes Maßnahmenprogramm für die gefährlichsten Stellen. Temporeduzierungen dort, wo Menschen zu Fuß und mit dem Rad unterwegs sind. Tempo 50 nur noch dort, wo nur Auto gefahren werden kann. Mal ehrlich: Ich war vor kurzem einige Male mit dem Auto innerorts unterwegs. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit aller Fahrten? 18 km/h. Studien zeigen, dass Tempo 30 die Fahrtzeit im Stadtverkehr nicht signifikant verlängern würde. Studien zeigen aber auch, dass bei Tempo 30 viele Unfälle gar nicht erst stattfänden. Dazu braucht es die Auflage, dass Lkw in Hamburg nur noch mit Abbiegeassistenten fahren dürfen. Trotz der verpflichtenden Ausrüstung für Neufahrzeuge verfügt nur ein kleiner Teil der Bestandsflotte über solch Systeme. Eine Nachrüstung vor allem auch älterer Lkw ist dringend geboten, auch zum Schutz des Fahrpersonals.
    Ein messbarer Erfolg wäre für mich: Null Radtote in Hamburg. Nicht als Wunsch, sondern als politisch verankertes Ziel mit konkreten Zwischenschritten und einem verbindlichen Zeitplan.

    Viele dieser Forderungen stehen doch schon im Koalitionsvertrag. Sollte man die Politik nicht einfach in Ruhe machen lassen?

    Nein. Weil im gleichen Koalitionsvertrag das Parkraummoratorium steht – ein Baustopp für Fahrradinfrastruktur. Das ist kein Widerspruch, der sich von selbst auflöst. Das ist eine politische Entscheidung gegen sichere Radwege. Koalitionsverträge sind Absichtserklärungen. Es zählt das, was konkret gebaut wird. Und da sehe ich in Hamburg eine immer größere Lücke zwischen Ankündigung und Wirklichkeit.

    Wo siehst du die größten Versäumnisse deHamburger Politik der letzten Jahre?

    Im systematischen Ignorieren von Gefahrenstellen, obwohl bekannt ist, wo die meisten schweren Unfälle passieren. Ich stand bei der Mahnwache für den dritten Radtoten in diesem Jahr, und bekomme von mehreren Menschen zu hören, dass sie genau diese Stelle schon als gefährlich gemeldet hatten.
    Warum wird dem nicht nachgegangen? Muss immer erst ein Mensch sterben? Uns fehlt in Hamburg eine echte Vision-ZeroStrategie als verbindlicher Prozess mit Budget, Personal und Konsequenzen. Und dann das Parkraummoratorium: In einer Stadt, in der Menschen beim Radfahren sterben, wird der Schutz von Parkplätzen zur Koalitionsbedingung gemacht.
    Auch, wenn keine böse Absicht dahinter stecken mag – aber zumindest werden hier fahrlässig falsche Prioritäten gesetzt, mit potenziell tödlichen Folgen. Ich will mir gar nicht vorstellen, dass ein Mensch auf dem Rad stirbt, weil dieses Moratorium die Umsetzung von sicherer Infrastruktur…

    Was tun angesichts des Versagens von Politik und Behörden in Sachen Sicherheit für ungeschützte Verkehrsteilnehmer*innen? Jetzt fordert eine Online-Petition „Hamburg stoppt das Töten – sichere Straßen jetzt!“.
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