Linux ist schon 35 Jahre?!
Vor 35 Jahren schrieb ein 21-jähriger Student aus Helsinki in einer Usenet-Gruppe: „I'm doing a (free) operating system (just a hobby, won't be big and professional like gnu)." Ein Hobby, sagte er. Nichts Großes. Er hatte es „Freax" nennen wollen – ein FTP-Admin nannte das Verzeichnis schlicht „linux", und so blieb es.
Heute läuft dieses Hobby auf rund 4 Milliarden Android-Geräten, auf über 200 Millionen Servern, auf den schnellsten Supercomputern der Welt. Es steckt in Autos, Routern, Satelliten – und jede Nachricht, in der das Internet uns erreicht, ist Linux irgendwo beteiligt.
Ich muss gestehen: Ich habe das jahrelang nicht so gesehen. Ich schob Linux in die IT-Ecke – Technologie für Technologie-Nerds, interessant, aber nichts für mich. Und ich habe mich geirrt.
Nicht, weil Linux plötzlich intuitiv geworden wäre. Sondern weil mir klar wurde, wofür Linux steht: Macht, die niemandem allein gehört.
Ich beobachte, wie Demokratie ständig gegen Kräfte ankämpfen muss, die sie zerreißen. Was früher Monarchen waren, sind heute Oligarchen und Konzerne, deren Marktmacht auf die politische Demokratie drückt. Wenn ich mitbekomme, dass Postfächer von Richtern plötzlich nicht mehr funktionieren, weil ein Anbieter es so entschieden hat, dann frage ich mich: Woher kommt diese Macht? Die Antwort ist sehr unbequem – die Macht geben wir ihnen. Durch jedem Kauf, jeder Anmeldung, jedem Klick. Wo wir kaufen und welche Software wir nutzen, hat Einfluss auf unser aller Leben.
Und genau deshalb sage ich heute: Linux ist für mich mehr als Software. Es ist eine demokratische Errungenschaft.
- Transparenz: Der Code ist für alle einsehbar – so wie demokratische Prozesse es sein sollten.
- Teilhabe: Jeder kann beitragen. Verantwortung wächst durch Leistung und Vertrauen, nicht durch Marktanteil.
- Gegenmacht: Open Source macht unabhängig – von Konzernen, die Konten sperren, von Lizenzdrohungen, von der Laune weniger Entscheider.
Kein Wunder, dass immer mehr Verwaltungen und Regierungen in Europa freie Software entdecken – aus einem sehr realen Grund: Man hat verstanden, was Abhängigkeit kostet.
Was mich am meisten beeindruckt, ist die Standhaftigkeit der Community. 1992 erklärte Professor Tanenbaum öffentlich, Linux sei „obsolete". Die Industrie belächelte es. Der Erfolg kam nicht über Nacht – er kam durch Menschen, die 35 Jahre unbeirrt beigetragen haben: Kernel-Beiträge, Übersetzungen, Dokumentation, Hilfestellung in Foren, ein Geduldsspiel für Entwicklern die generationsübergreifend zusammenarbeiten. Die Linux Foundation nennt es „incredible perseverance". Ich nenne es Zivilcourage im digitalen Raum.
Zum Geburtstag wünsche ich dir, Linux – und dir, Tux, der in diesem Jahr übrigens selbst runde 30 wird: Möge eure Uptime lang sein und eure Panics selten. Und einen besonderen Dank der Community, die das alles trägt: Danke, dass ihr durchgehalten habt. Trotz Skeptikern wie dem, der ich einmal war.
Happy 35th Birthday, Linux. 🐧
— ein ehemals Skeptischer, heute Unterstützer
https://de.wikipedia.org/wiki/Linux?wprov=sfla1
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