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  • Jul 5, 2026, 12:29 AM

    Was nun folgt, ist keine Deutungshoheit, sondern meine persönliche Lesart. Das Video hat bei mir eine Assoziation geweckt, die ich bisher vor allem aus Filmen wie #FightClub kenne: den Versuch, einen Menschen zu zeigen, der innerlich an einem Punkt angekommen ist, den Worte allein kaum noch beschreiben können. Meine erste Assoziation war die eines Halbstarken, der weniger aus Hass handelt als aus einer schwer greifbaren inneren Leere.

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  • Jul 5, 2026, 12:29 AM

    Die Gewalt ist real – und trotzdem erklärt sie den Protagonisten für mich noch nicht.“
    Ja, sie ist da. Er tritt eine Tasche weg und wirft sie achtlos fort. Er drückt den Kopf eines Mitschülers in die Toilettenschüssel. Er sucht den Kick bei einer lebensgefährlichen Mutprobe am Geländer. Und mit einem gebrüllten „Shut the fuck up!“ bringt er die Gruppe zum Schweigen.
    All das sehe ich. Trotzdem glaube ich nicht, dass diese Gewalt der Kern der Figur ist.

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  • Jul 5, 2026, 12:30 AM

    Diese Wahrnehmung endet für mich nicht bei den Bildern. Auch musikalisch scheint sich diese Lesart fortzusetzen. Der Gesang wirkt auf mich beinahe ausdruckslos. Die Musik lebt, die „Hey! Hey!“-Rufe tragen Energie – doch der Sänger bleibt für mich merkwürdig unbeteiligt.
    Auch der Liedtext scheint für mich in diese Richtung zu weisen. Er streift Todessehnsucht, Identität und die Suche nach etwas, wofür es sich überhaupt lohnt, einzustehen.

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  • Jul 5, 2026, 12:30 AM

    Dann folgt der eigentliche Umbruch. Der geschlagene Mitschüler schlägt zurück. Doch anstelle einer weiteren Eskalation wird er freudig umarmt. Die Lippe des Protagonisten blutet, sein Hemd trägt nun sichtbare Blutflecken. Mit genau diesem Bild endet der erste Teil.
    Nach dem Schnitt steht er, noch immer genauso blutverschmiert, vor einer Menschenmenge auf einer großen Treppe. Langsam begibt er sich auf den leeren Platz in ihrer Mitte.

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  • Jul 5, 2026, 12:31 AM

    Nach dem Schnitt beginnt nicht nur ein neuer Abschnitt des Films – auch musikalisch setzt etwas Neues ein. Die ersten Worte: „Like an empty fire.“ Der Protagonist steht regungslos, raucht und bewegt sich kaum. Um ihn herum steigert sich die Choreografie zu einem Crescendo: Hände klammern sich an Kleidung, Tränen werden fortgewischt, Gesten werden kämpferisch. Die Tänzer tragen weiße Hemden unter schwarzen Sakkos. Je nach Haltung und Bewegung verändern sich Farbwirkung und Muster.

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  • Jul 5, 2026, 12:32 AM

    Nun habe ich das Video mehrfach gesehen. Es fasziniert mich auch mit einigem zeitlichen Abstand noch auf vielen Ebenen und lässt mich mit mehr Fragen als Antworten zurück.
    Ich gebe zu: Ich habe eine Schwäche für Popkultur. Ohne falschen Stolz beschäftige ich mich mit dem Output der Kulturindustrie. Das meiste verschwindet so schnell, wie es auftaucht. Manches aber bleibt hängen und entwickelt eine Tiefe, die ich ihm zunächst gar nicht zugetraut hätte. STORM gehört für mich zu diesen Ausnahmen.

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  • Jul 5, 2026, 12:33 AM

    Zunächst ist da diese Männlichkeit, die einem fast mit dem Vorschlaghammer entgegenschlägt. Es sind ausschließlich Männer zu sehen. Gewalt bestimmt das Bild. Innere Zerrissenheit zeigt sich, wenn überhaupt, zunächst nur im Subtext – bis sie einem durch die Choreografie von rund 30 bis 40 Tänzern förmlich entgegenschlägt.

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  • Jul 5, 2026, 12:33 AM

    Den anfänglichen Ruf „Shut the fuck up!“ lese ich später nicht mehr nur als Boss-Attitüde. Er bekommt für mich eine zweite Ebene: „Ich kann meine Gefühle nicht zeigen, also müssen sie andere für mich tanzen.“ Und genau deshalb glaube ich nicht, dass beide Teile nacheinander erzählt werden. Sie gehören gleichzeitig zur selben Figur.

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  • Jul 5, 2026, 12:34 AM

    Zum Schluss tritt der Protagonist aus der Menge nach vorn. Nach all den Emotionen, die um ihn herum getanzt wurden, bleibt er selbst beinahe regungslos. Keine eindeutige Gefühlsregung. Kein erklärendes Ende. Das Werk überlässt die letzte Entscheidung seinem Publikum.

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  • Jul 5, 2026, 12:35 AM

    Das letzte Popkulturwerk, das mich auf ähnliche Weise beschäftigt hat, war Born Slippy .NUXX, bekannt aus Trainspotting. Der Text entstand aus den Wortfetzen eines Betrunkenen – zusammenhangslos, widersprüchlich und doch voller subjektiver Wahrheit.
    Ist das, was wir im zweiten Teil sehen, die Wahrheit über den Protagonisten – oder nur eine andere Ausdrucksform derselben Figur, die wir im ersten Teil kennengelernt haben? youtube.com/watch?v=6iKFn8dlxX

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  • Jul 5, 2026, 12:36 AM

    Wer bis hierher gelesen hat, hat ähnlich wie auch ich, keine Hobbys. Danke ❤️

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