Login
You're viewing the ms.vg public feed.
  • Nov 1, 2025, 12:45 PM

    Nach langer Zeit wieder mal ein Einsatzbericht aus dem #Schulsanitätsdienst

    Der Asthmaanfall ist wahrscheinlich eines der meisttrainierten Fallbeispiele überhaupt. Ich mach das allerdings inzwischen seit 4 Jahren, hab schon alles Mögliche gesehen - aber noch keinen waschechten Asthmaanfall. Bis dahin.

    2. Große Pause an einem Oktobertag, ich will gerade meine Sachen zusammen packen, da höre ich, viel zu leise, das Handy in meiner Hosentasche klingeln.

    Meldebild: Knieverletzung, sitzt am Sekretariat

    Ich stehe also auf und treffe unterwegs die dienstälteste "Kollegin", die fragt ob sie mitkommen soll. Ich sage ja, da ich nicht weiß ob das 2. Handy besetzt ist. Der Anrufversuch bleibt erfolglos, also nein.
    Auf das Mitnehmen der Jacke habe ich mit Aussicht auf einen Drinnen-Einsatz verzichtet.

    Sie geht also vor zur Patientin auf der Bank am Sekretariat, ich will das Material holen.
    Auf dem Weg mit dem Material zut Patientin werde ich von einer Lehrerin angesprochen, ob wir schon von dem Patienten auf dem Schulhof wüssten. Nach kurzer Klärung stellt sich heraus, dass da ein zweiter Einsatz entstanden ist. Da gerade unsere ausbildende Lehrerin vorbei kommt, bitten wir Sie die Knieverletzung zu übernehmen und gehen zu zweit auf den Schulhof.

    Sie als Kopf-, ich als Seitenhelfer. Wir vereinbaren außerdem, die Entscheidung Rettungsdienst Ja/Nein möglichst zügig zu treffen. Sollte der Patient kein Asthmaspray dabei haben, rufen wir auf jeden Fall den Rettungsdienst.

    Scene:
    Ca. 12:30 Uhr, keine Pause, ca. 12°C bei Sprühregen.

    Ein Patient, männlich, schätzungsweise 11 oder 12 Jahre alt, mit zwei Freunden und einer Lehrkraft sitzt auf einer Bank auf dem Schulhof. In seiner Hand ist ein Asthmaspray zu erkennen.

    Safety:
    Keine augenscheinlichen Gefahren

    Situation:
    Patient mit vorbekanntem Asthma hat Fußball gespielt und dann über Luftnot geklagt. Daraufhin hat er sein Asthmaspray genommen, eine Lehrkraft hat uns dann informiert.

    Beim Erstkontakt fällt ein dezenter exspiratorischer Stridor auf, es besteht keine Lippenzyanose.

    Während die Kopfhelferin also mit Kutschersitz und Lippenbremse beginnt und die Atemanweisungen gibt, starte ich mit den Vitalwerten:

    SpO2 99%
    Puls 113/min, regelmäßig, gut tastbar
    ReKap knapp <2 sek. bei etwas kalten Fingern
    RR 130mmHg sys.
    Bewusstsein Wach und Orientiert
    Temperatur bei 36,8°C

    Der Stridor ist inzwischen völlig verschwunden und wir führen ein 10-for-10 durch. Wir entscheiden einvernehmlich, dass wir momentan ohne weitere Hilfe klar kommen, den Patienten allerdings ins Warme und Trockene bringen sollten. Die Kopfhelferin hat noch keine strukturierte Anamnese begonnen und möchte nach drinnen verlegen, wir entscheiden uns dafür noch eine Minute zu warten und weiter Atemanweisungen zu geben und dann rein zu gehen. Der Patient stimmt zu.

    Wir verlegen dann also nach drinnen. Der Patient ist inzwischen beschwerdefrei, ich kümmere mich also um den Kontakt zu den Eltern und mit der Anamnese entscheiden wir uns für die Belastung als den wahrscheinlichen Auslöser.

    Nach Rücksprache mit Vater und Patient geht es für ihn wieder in den Unterricht.

    Reichlich unspektakulär also irgendwie.

    Was fand ich gut? ✅️
    - Wir waren zu zweit beim Patienten, indem wir den anderen Einsatz abgeben konnten
    - Gute Vorbesprechung auf dem Weg
    - Üben hilft - wir wussten, was wir tun können und haben eine klare Grenze zum Notruf gesetzt
    - Treffendes Meldebild seitens der Lehrkraft (das ist nicht immer so)
    - Patient, der gut vorbereitet war und sein Notfallmedikament dabei hatte
    - Strukturiertes Abarbeiten und insgesamt gute Kommunikation

    Was fand ich nicht gut? ❌️
    - Jacke nicht mitgenommen - klingt banal, aber bei Kälte schwindet die Konzentration
    - Wahrscheinlich hätten wir schon etwas früher rein gehen können oder wenigstens dem Patienten eine Rettungsdecke gönnen
    - Das gelegentliche Rausrutschen aus dem Kutschersitz hat niemand von uns beiden konsequent korrigiert
    - Das zweite Handy war nicht besetzt und ich wäre unter Umständen alleine gewesen. Das wäre unglücklich gewesen
    - Obwohl ich sofort die fehlende Lippenzyanose und das Asthmaspray gesehen habe, habe ich nichts davon verbalisiert. Das hätte prinzipiell dazu führen können, dass wir den Patienten unterschiedlich einschätzen, auch wenn die Kopfhelferin in dem Fall beides bemerkt hat.

    Fazit:
    Insgesamt bin ich sehr zufrieden. Obwohl das lang aussieht: Alles was ich nicht gut fand, sind eher Kleinigkeiten. Am Ende steht ein zufriedener Patient, der in der Schule bleiben kann und die Versorgung bekommen hat, die er brauchte. Am Ende war es nicht so fulminant, wie ich befürchtet habe.
    Ach, und ich denk jetzt öfter an meine Jacke 🙃

    💬 0🔄 2⭐ 25