Das Perfide daran: Verpackt in zeitgemäßes Management-Vokabular von „Ressourceneffizienz“, „Entlastung der Allgemeinheit“ und „fürsorglicher Isolation“ fallen die moralischen Hemmschwellen erschreckend schnell. Es belegt die These, dass Dehumanisierung niemals als offene Grausamkeit beginnt, sondern als scheinbar vernünftige Sozialpolitik daherkommt.
Zwischen 1939 und 1945 wurden schätzungsweise 250.000 bis 300.000 behinderte Kinder und Erwachsene systematisch vergast, verhungert oder durch Überdosen getötet. Über 400.000 Menschen wurden zwangssterilisiert. Das waren keine Taten von Gesetzlosen am Rande der Gesellschaft. Es war staatliches Recht, erdacht und vollstreckt von Ärzt*innen, Professor*innen und Pflegekräften, also denselben Menschen, denen der Schutz des Lebens anvertraut war. Ihr Vorwand: Das Leben dieser Menschen sei „ballastexistent“ und „unwert“.⬇️