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  • Lily_unfiltered_linksLily_unfiltered_links@troet.cafe
    Oct 23, 2026, 10:43 AM

    Das Perfide daran: Verpackt in zeitgemäßes Management-Vokabular von „Ressourceneffizienz“, „Entlastung der Allgemeinheit“ und „fürsorglicher Isolation“ fallen die moralischen Hemmschwellen erschreckend schnell. Es belegt die These, dass Dehumanisierung niemals als offene Grausamkeit beginnt, sondern als scheinbar vernünftige Sozialpolitik daherkommt.

    Zwischen 1939 und 1945 wurden schätzungsweise 250.000 bis 300.000 behinderte Kinder und Erwachsene systematisch vergast, verhungert oder durch Überdosen getötet. Über 400.000 Menschen wurden zwangssterilisiert. Das waren keine Taten von Gesetzlosen am Rande der Gesellschaft. Es war staatliches Recht, erdacht und vollstreckt von Ärzt*innen, Professor*innen und Pflegekräften, also denselben Menschen, denen der Schutz des Lebens anvertraut war. Ihr Vorwand: Das Leben dieser Menschen sei „ballastexistent“ und „unwert“.⬇️

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Replies

  • Lily_unfiltered_linksLily_unfiltered_links@troet.cafe
    Oct 23, 2026, 10:43 AM

    Ich kann den aufklärerischen Wert der Dokumentation erkennen und begrüße es ausdrücklich, dass behinderte Aktivist*innen dieses Format federführend leiten. Doch als Mensch mit Behinderung bricht es mir das Herz. Ich weiß nicht, ob ich die Kraft habe, es anzusehen. Unsere Community verbringt seit Generationen ihr gesamtes Leben damit, erforscht, begutachtet, aussortiert und gezwungen zu werden, die eigene Daseinsberechtigung zu rechtfertigen. Es ist zutiefst entwürdigend mitanzusehen, wie unser elementarer Wert als Menschen wieder und wieder zum Gegenstand eines öffentlichen Labortests gemacht wird, um der Mehrheitsgesellschaft ihre eigene Ignoranz und ihre Mikroaggressionen vorzuhalten.⬇️

    💬 1🔄 5⭐ 0
  • Lily_unfiltered_linksLily_unfiltered_links@troet.cafe
    Oct 23, 2026, 10:44 AM

    Als Betroffene weiß ich, dass wir nicht nach Großbritannien blicken müssen und auch nicht mit dem Finger auf dieses Land zeigen sollten. Der Rollback geschieht direkt vor unserer Haustür. In Deutschland erleben wir eine dramatische Verschiebung: Rechtspopulistische Parteien fordern unverhohlen die Segregation von Förderschülern, um das Schulsystem zu „entlasten“. Gleichzeitig schrumpfen Kommunen die Mittel für persönliche Assistenz zusammen, Behörden verweigern Hilfsmittel unter Verweis auf Wirtschaftlichkeit, und Werkstätten für Menschen mit Behinderung zahlen weiterhin Stundenlöhne von kaum über einem Euro.⬇️

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  • Lily_unfiltered_linksLily_unfiltered_links@troet.cafe
    Oct 23, 2026, 10:45 AM

    Unsere Menschenrechte werden unter Haushaltsvorbehalt gestellt. Barrierefreiheit und Inklusion gelten erneut als „Luxuswünsche“, die sich ein verschuldetes Land angeblich nicht mehr leisten könne. Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf werden in Großeinrichtungen gedrängt, statt ihnen ein selbstbestimmtes Leben in eigener Wohnung mit persönlicher Assistenz zu ermöglichen. Ein intransparenter Bürokratieapparat zwingt Betroffene in jahrelange Klageverfahren vor Sozialgerichten, nur um elementare Hilfsmittel oder Unterstützung zu erstreiten.⬇️

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  • Lily_unfiltered_linksLily_unfiltered_links@troet.cafe
    Oct 23, 2026, 10:45 AM

    Das Narrativ von „Schutzräumen, Bündelung und geordneter Betreuung“ klingt warmherzig, professionell und verantwortungsbewusst. Es beruhigt das Gewissen der Mehrheitsgesellschaft, während Betroffene aus dem sichtbaren öffentlichen Raum verbannt werden. Für uns bedeutet das Freiheitsentzug, Ausgrenzung und Kontrollverlust. Wenn man nicht selbst entscheiden kann, wann man aufsteht, was man isst, wann man auf die Toilette darf oder von wem man berührt wird, lebt man in Abhängigkeit. Sonderwelten sind keine Oasen des Schutzes, sondern Instrumente der Verwahrung.⬇️

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  • Lily_unfiltered_linksLily_unfiltered_links@troet.cafe
    Oct 23, 2026, 10:46 AM

    Die Mütter und Väter des Grundgesetzes schrieben „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ an die absolute Spitze unserer Rechtsordnung, eben weil sie wussten, wie schnell die gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit in die Gesellschaft einsickert. Sie hatten erlebt, wie schnell die Ausgrenzung von Menschen zu ihrer Vernichtung führt und wie sich eine ganze Gesellschaft selbst entmenschlicht. Inklusion und Autonomie sind daher keine Almosen des Staates, keine freundliche Gefälligkeit und keine Schönwetter-Politik für Zeiten voller Kassen. Sie sind völkerrechtlich bindende Verpflichtungen. Wer die Autonomie von Menschen mit Behinderung beschneidet, greift letztlich das Fundament der gesamten demokratischen Republik an.⬇️

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  • Lily_unfiltered_linksLily_unfiltered_links@troet.cafe
    Oct 23, 2026, 10:46 AM

    Es gibt erschreckend viele Menschen mitten unter uns, die genau diese Entsolidarisierung heimlich oder offen befürworten. Dass wir im Jahr 2026 immer noch unsere grundlegende Menschlichkeit und Daseinsberechtigung verteidigen müssen, ist zermürbend.

    Unsere Menschlichkeit war niemals etwas, das wir beweisen müssten. Können wir uns nicht einfach darauf einigen, Menschen wie Menschen zu behandeln und es ein für alle Mal dabei belassen? Denn das Existenzrecht eines Menschen darf niemals vom Wohlwollen oder der Bequemlichkeit einer Mehrheit abhängen.

    Die menschliche Würde ist unteilbar. Keine Tests mehr und keine Kompromisse bei der Autonomie.⬅️

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  • LappenjammerLappenjammerDieZweite@vivaldi.net
    Oct 23, 2026, 12:18 PM

    @Lily_unfiltered_links

    Ich bin sprachlos. Du hast mit allem Recht. Was eine solche Sendung bewirken soll, weiß ich nicht. Solche Formate verändern m.E. nichts, sondern führen nur zu einem wohligen "oh wie schrecklich" bei der Zuschauerschaft, ohne jegliche Konsequenzen.

    Wir sehen den radikalen Abbau von Grundrechten in Deutschland und hier in Hamburg. Menschen mit Behinderung werden ganz offen diskriminiert und drangsaliert. Dass die Worte da noch euphemistisch sind, ändert nichts daran.

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