RE: https://social.tchncs.de/@kaffeeringe/117415628533142507
"Prozent Home-Office" ist natürlich eine komplett idiotische Metrik, die genau gar nichts an den Arbeitsweisen einer Firma ändert.
Sobald bzw. solange es auch nur einen "Tag Home-Office pro Woche" in einer Firma gibt
ODER
sobald eine Firma mehr als einen Standort hat
ODER
sobald eine Firma KI ernsthaft einsetzt,
muß eine Verschriftlichung der Kommunikation stattfinden.
Das heißt, Meetings müssen diszipliniert vor- und nachbereitet werden, damit die Menschen und Agenten, die nicht vor Ort dabei sein können auch eine Gelegenheit haben, die Vorgänge nachzuverfolgen.
Das heißt, Meetings müssen in Räumen mit Videoequipment vorgeführt werden und das Rederecht muß formal herum gereicht werden, damit auch Menschen, die nicht vor Ort dabei sein können integriert werden und gehört werden können.
Ein Meeting diszipliniert vorzubereiten heißt, aufzulisten, welche Dinge Themen sein können – schriftlich. Dann Meinungen und Entscheidungen zu den Themen vorab einzusammeln, um Positionen oder mögliche Pfade zu listen und dadurch zu entscheiden, ob überhaupt Dissenz besteht. Und dann die Punkte, bei denen Dissenz besteht in eine Tagesordnung umzuwandeln, die man dann im Meeting abarbeitet.
Ein Meeting diszipliniert nachzubereiten heißt dann, das Entscheidungsprotokoll mit den Entscheidungen, Entscheidungsgründen und Arbeitsaufträgen zu formulieren und zu verteilen und zu archivieren.
Anwesenheit im Office wird dadurch jedoch weitgehend überflüssig. Das Office ist kein Arbeitsplatz.
Es ist ein Treffpunkt, zu dem man sich zu Zusammenarbeit verabreden kann und bei dem man schnell iterieren kann, indem man alle an einem Dissenz und einer Entscheidung Beteiligten zusammenbringt und dann interaktiv das Gespäch sucht.
Das ist jedoch keine Prozentzahl und Anwesenheitsquote, sondern wird durch die Sachlage und Notwendigkeit bestimmt.
Aber ja, redet weiter von Home Office Quoten, Großkonzerne, und dokumentiert, daß ihr nichts, aber auch gar nichts, von der Arbeit, die bei Euch stattfindet, von Management by Objectives und Effizienz versteht.
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Ich habe von 2005 bis 2008 in einer "virtuellen Firma" gearbeitet. Wir waren 500 Mitarbeiter in 26 Nationen rund um den Erdball. Ich habe ein Office in den USA einmal besucht, aber das war mehr eine Besichtigung als eine Notwendigkeit.
Wir hatten 2 Team-Meetings, eine Developer Conference und ein All-Hands sowie zwei Messen im Jahr. Ich habe also circa alle 2 Monate mal Kollegen getroffen, für jeweils 3-5 Tage am Stück.
Das waren immer Begegnungen mit intensiver Vorbereitung, denn wir haben die Zeit natürlich zumArbeiten an Dingen verwenden wollen, bei denen direkter Kontakt hilfreich und notwendig war. Und zum Feiern.
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Ich habe 2008 bis 2014 in einer Firma gearbeitet, die enorm an einem Standort konzentriert war, und bei der alle Meetings ad-hoc, ohne Vorbereitung und ohne Protokoll stattgefunde haben.
Ich selbst habe jedoch 700 km entfernt gelebt und war jede 2. Woche für 3 Tage vor Ort, also 3/10 Werktagen.
Das hat im Laufe der Zeit immer schlechter funktioniert. Nicht nur für mich, sondern auch die Standorte in den USA, in Israel und in Singapur hatten enorme Probleme, Gehör zu finden oder effektiv zu Arbeiten, weil die Leute in Europa ohne zuzuhören gemacht haben, was immer ihnen gerade einfiel. Am Ende war es ein Grund, weswegen ich 2014 aufgehört habe.
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Ich kenne eine Firma, die 12.5 Zeitzonen umspannt und bei der die Strategie zur besseren Zusammenarbeit "Zoom harder" ist. Das ist natürlich Quatsch und funktioniert in etwa so gut, wie man es sich vorstellt.
Jetzt gibt es dort eine Office-Pflicht, aber das Office hat Kaspermonitore von 2016 (2x Dell P2417H pro Arbeitsplatz, aber manche Menschen haben Macbooks, die nur einen Bildschirm treiben können), und es gibt nicht genug Meetingräume, selbst nachdem man so "Telefonzellen" mit Zoom-Equipment aufgestellt hat.
Im Grunde müßte man Einzelbüros einrichten, damit die Menschen dort sinnvoll arbeiten können, weil im Grunde jeder, der da ist, ca. 50% der Zeit das Screensharing an hat und das Mikro offen hat.
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Ich kenne eine Firma, die enorme Schwierigkeiten hat, KI sinnvoll einzusetzen, weil die KI ums Verrecken nicht versteht, was Phase ist.
Die Firma führt Besprechungen in Anwesenheit über Kaffee in der Kantine durch und schreibt keine Protokolle, sodaß Führungsentscheidungen nicht als Paper existieren.
Wo KI eingesetzt wird, ist sie teuer und langsam, weil Dreck in Confluence und Jira vermodert, statt RAG-gerecht als Markdown im Repo neben den Quellen zu liegen.
Die KI ist, genau wie ein Mitarbeiter an einem anderen Standort physisch nicht präsent, Inhalte sind nicht da abgelegt, wo sie für Entscheidungen wichtig sind und sich mit einem MCP durch einen Haufen verbuggter Atlassian Scheiße zu klicken ist auch nicht schneller oder billiger als es mit der Maus zu tun.
Klar kann man so Tokens verbrennen, wenn man das möchte, aber unter Umständen wäre es schlauer, den Quatsch als Text im Git zu halten und quasi umsonst reingezogen bekommen?
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Wir alle kennen große OSS-Projekte, bei denen Menschen in ihrer Freizeit oder beruflich gemeinsam an Projekten arbeiten, deren Komplexität und Größe die Arbeit in 95% aller Firmen weit übersteigt.
Diese Menschen sehen einander nur zu Konferenzen, und arbeiten sonst komplett asynchron und schriftlich zusammen. Mailinglisten, Discord, Github Issues, vielleicht mal ein gemeinsamer Weekly Call mit Meeting Minutes.
Ihr alle kennt diese Projekte und verwendet ihren Code: Der Linux Kernel, KDE, Gnome, Openstack, Kubernetes und seine zahllosen Komponenten und jedes andere OSS Projekt.
Wenn Anwesenheit im Office für die Kooperation und den Zusammenhalt angeblich so wichtig sind, wieso funktionieren diese Open-Source-Projekte dann überhaupt?
Oder ist Eure Arbeitsweise in Eurer Firma schlecht und Euer Management planlos?
Alle diese Projekte haben übrigens findbare und suchbare Dokumentation und dokumentierte Entscheidungen in Schriftform. Und die ist so gut, daß man da eine KI drauf werfen und Tickets one-shotten kann. Das ist bestimmt nur Zufall und das Eine – remote und asynchron verschriftlicht arbeiten – und das Andere – KI sinnvoll billig und zuverlässig anwenden – hat rein gar nichts miteinander zu tun.
Gewiss.
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TL;DR: Management ist dumm und glaubt, wir haben immer noch die späten 80er Jahre.