Ich war gestern Abend mal wieder auf einem Treffen des Bundes für Selbstständige. Da war ich vielleicht vor 10 Jahren das letzte Mal, ist einfach nicht mein Ding und ich hab die Netzwerke für meine Firma nie gebraucht.
Anyway, es war augenöffnend das nach so langer Zeit mal wieder zu sehen. Im Gegensatz zum letzten Mal haben sich einige Sachen fundamental verändert.
1. Unternehmer meiner Generation planen nicht mehr mit Nachfolgern bzw. wie es mit ihrem Unternehmen nach ihrem Ausscheiden weitergeht. Ich hab ja noch etwa 15 Jahre bis zur Rente, falls ich denn eine kriegen sollte. Keiner, mit dem ich gesprochen habe, plant einen weiteren Ausbau seiner Firma, noch werden größere Investitionen getätigt oder in Ausbildung für neue Leute investiert. Alle, inkl. mir, planen den Ausstieg und fahren das Unternehmen bis dahin auf Verschleiss. Die übriggebliebenen Ressourcen, die entweder danach übrig sind oder bis dahin aus der Firma entzogen werden, gehen in die private Altersversorgung und sind damit der Wirtschaft und auch der Gesellschaft entzogen. Die Arbeitsplätze und damit die Möglichkeiten, dass Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen, sind weg. Die nachfolgenden Generationen haben in der Regel nicht die Ressourcen neue Unternehmen zu gründen. Das wird zu einem Zusammenbruch des Mittelstandes führen, der die Basis unserer Wirtschaft ist.
2. Alle haben sich aus dem Wohnungsmarkt zurückgezogen, wirklich alle. Niemand investiert auch noch einen Cent in dem Bereich, weder für den Kauf von Wohnungen und erst recht nicht für den Neubau. Das letzte Wohnungsbauprojekt (zwei Häuser a sechs Wohneinheiten) im Landkreis wurde jetzt gestoppt. Wenn dann kaufen die Leute Einfamilienhäuser bzw. bauen welche, manche kaufen nur Grund als Geldanlage. In der Vergangenheit war es so, dass die Leute in Zeiten, wo hohe Inflation usw. geherrscht hat, eher in diesen Markt investiert haben, Stichwort "Betongold".
3. Viele beklagen sich über mangelnde Loyalität der Mitarbeiter. Wenn es irgendwo einen Euro mehr gibt, wechseln sie. Das bedeutet keiner ist mehr bereit in die Ausbildung oder Einarbeitung von Mitarbeitern zu investieren, statt dessen schraubt man die Anforderungen bei der Einstellung hoch. Man ist sich Bewusst, dass das die Folge der miessen Behandlung von Mitarbeitern einiger Firmen ist, aber sieht das jetzt als gegeben und muss damit umgehen, weil ändern kann man es nicht.
4. Überraschend viele denken über einen Weggang nach, vor allem in's benachbarte EU-Ausland, Polen sieht für viele aus wie ein Hort der Vernunft und Stabilität, aber auch Tschechien und Slovenien. Was die Arbeitskosten angeht, die leute die über sowas nachdenken, sehen Rumänien und Bulgarien als potentielle Ziele. Ich dachte bei den KMUs ist das eher die Ausnahme.
5. Viele klagen über zunehmende Aussenstände, die sie nicht mehr lange über Reserven kompensieren können. Gerade Handwerker machen vieles nur noch auf Vorkasse und nehmen in Kauf einen Auftrag zu verlieren, statt ihren Umsatz zu maximieren.
Zahlungsausfälle gibts immer mal, aber die letzten 10-15 Jahre waren dahingehend stabil und die Leute daran gewöhnt, dass es die Ausnahme bleibt. Einige im Baubereich haben bis zu 80% Ausfälle, zusätzlich zu der rückläufigen Auftragslage.
6. Alle hassen Katharina Reiche.