Genau an diesem Satz im bleibe ich hängen:
„Das Leben fühlt sich tausendmal schwerer an als das Leben anderer.“
Für mich ist genau dieser Vergleich schwierig.
Nicht, weil Trauma leicht wäre.
Nicht, weil Depression harmlos wäre.
Nicht, weil schwere Biografien nicht Spuren hinterlassen.
Sondern weil Leid kein Wettbewerb ist.
Sobald ich anfange, mein Leben gegen das Leben anderer aufzurechnen, bin ich schon wieder in einer Falle.
Dann geht es plötzlich darum, wer es schwerer hatte.
Wer mehr kämpfen musste.
Wer mehr leisten muss.
Wer mehr „trotzdem“ geschafft hat.
Und genau daraus entstehen dann diese Sätze, die so oft verletzen:
⁉️ „Ich kenn das, ich bin auch müde.“
⁉️ „Andere haben es auch geschafft.“
⁉️ „So schlimm ist es doch nicht.“
⁉️ „Du musst dich nur mehr bewegen.“
⁉️ „Du musst einfach mehr tun.“
Nein.
Es geht nicht um den anderen, der es geschafft hat.
Es geht um mich, der geschafft ist.
Weil ich heute vielleicht den ganzen Tag damit beschäftigt war, nicht zu weinen.
Weil ich meinen Kopf pausenlos beschäftigen musste, damit er nicht in die nächste Abwärtsspirale fällt.
Weil mein „normaler Tag“ von außen aussieht wie Alltag, aber innen Schwerstarbeit ist.
Und ja, Bewegung kann helfen.
Aber wenn ich nach fünf Minuten keine Luft bekomme und Menschen fragen, ob sie den Notarzt rufen sollen, dann ist „beweg dich halt“ kein guter Rat.
Dann ist es ein Schlag mit freundlichem Gesicht.
Ich brauche keinen Vergleich.
Ich brauche kein „andere haben es schlimmer“ und kein „andere haben es geschafft“.
Ich brauche Menschen, die verstehen:
Mein Weg ist meiner.
Mein Tempo ist meines.
Mein Rucksack muss nicht schwerer sein als deiner, damit er mich niederdrücken darf.
Hört auf, Leid zu vergleichen.
Hört auf, Heilung als Leistungsnachweis zu behandeln.
Hört auf, Rat-Schläge zu verteilen.
Hört zu.
Bleibt da.
Begleitet uns.
#gedanken #depression #notjustsad