Plastik als Zeitzeuge der Menschheit
Kunststoffe werden erst seit knapp einem Jahrhundert in größerem Umfang hergestellt. Dennoch sind ihre Überreste inzwischen weltweit verbreitet und finden sich auch in den Sedimentschichten von Seen, Flüssen und Meeren. Dort könnten sie langfristig zu einem wenig ruhmreichen Zeugnis menschlicher Aktivitäten werden.
Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde hat sich mit der Frage beschäftigt, ob sich diese winzigen Kunststoffpartikel als geologische Zeitmarker eignen. Dafür haben die Forschenden die bisherigen wissenschaftlichen Erkenntnisse zusammengetragen und bewertet.
Das Ganze basiert auf der Idee, dass sich nicht nur die Menge der Kunststoffe geändert hat, sondern auch die verwendeten Kunststoffarten.
Diese Entwicklung könnte sich in Sedimenten widerspiegeln. Ältere Schichten könnten andere Kunststoffe enthalten als jüngere. Möglicherweise lassen sich sogar einzelne Ereignisse wie die COVID-19-Pandemie anhand veränderter Kunststoffeinträge erkennen.
Das wäre auch für die Diskussion um das Anthropozän nicht uninteressant, das als offizielle Einheit der Erdgeschichte 2024 allerdings abgelehnt wurde.
Die Idee, menschliche Aktivitäten anhand ihrer Spuren in geologischen Ablagerungen nachzuweisen, ist ja auch gar nicht neu.
So haben beispielsweise die Industrialisierung und die oberirdischen Atomwaffentests den Gehalt an radioaktivem Kohlenstoff-14 in der Atmosphäre deutlich verändert. Auch künstliche Radionuklide aus den Atomwaffentests lassen sich weltweit in Sedimenten nachweisen und gelten als mögliche Kennzeichen des Anthropozäns.
Wäre es nicht schön, wenn wir es mal schaffen könnten, weniger zerstörerische Spuren zu hinterlassen?
Quelle
Ivar do Sul et al. (2026), Earth-Science Reviews
https://doi.org/10.1016/j.earscirev.2026.105619
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