Aus dem ZEIT-Artikel. Und genau das ist, was in unserer Wirtschaft immer noch nicht angekommen ist. Dieser konservative Weg, sich nicht neu erfinden zu können, sich nicht zu trauen, ist nach wie vor der Niedergang wirtschaftlicher Prozesse.
"ZEIT: Friedrich Merz sagt: Wir müssen alle einfach mehr arbeiten!
Tooze: Merz ist ein plumper Konservativer. Er reduziert die wirtschaftliche Lage auf eine Moralfrage und schwingt die Peitsche. Die Frage ist doch nicht, wie viel einzelne Menschen arbeiten, sondern wie man zukunftsfähige Industrien aufbaut. Dazu gehören natürlich Engagement und Einsatz, aber es geht weniger darum, mehr zu arbeiten, sondern anders und besser.
ZEIT: Also hat Merz unrecht?
Tooze: Ja. Deutschland braucht eine zukunftsweisende Wirtschafts- und Industriepolitik und weniger Merzschen Kulturkampf. Er scheint vergessen zu haben, dass das Lied »Jetzt wird wieder in die Hände gepuckt, wir steigern das deutsche Bruttosozialprodukt« als Satire gedacht war. Merz mag beeindruckt sein von der Arbeitswut in China, aber insgesamt ist das Land viel ärmer als Deutschland. Die Strategie Deutschlands wird sicherlich anders aussehen und vermutlich mit einer anderen Work-Life-Balance einhergehen als in China. Auch wenn Merz es nicht begreift: Die Deutschen wissen nur zu gut, dass das Leben mehr zu bieten hat als Wirtschaftswachstum. Das nennen Volkswirte revealed preference: Aus den Handlungen von Leuten lässt sich ableiten, was sie wollen."
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https://www.zeit.de/2026/33/adam-tooze-china-exportueberschuesse-industriepolitik-deutschland